GGCT

German Guzzi Classic Team

Das GGCT beim 4. und letzten Lauf zur EEC in Misano

Der letzte Lauf zur europäischen Langstrecken-Meisterschaft – Misano im Oktober 2019 und der Europameistertitel

Eine aufregende Saison hat ihr Ende beim letzten Rennen auf einer der wohl bekanntesten Rennstrecken der Welt, dem Misano World Circuit Marco Simoncelli, genommen. Hier wollten wir uns belohnen und uns beweisen, dass wir Mensch und Material zum Meistertitel führen können. Mit Blick auf den Punkteendstand können wir stolz sagen – in unserer Klasse haben wir die meisten Punkte sammeln können!  Dass das trotzdem erstmal nicht reichen sollte, erfuhren wir bei der Siegerehrung am Sonntag. 

Das Wochenende vom 10. bis 13. Oktober 2019 in Misano verlief nach dem verkorksten Rennen im Juni in Oschersleben, auch in Misano nicht wirklich rund.  Schon in Oschersleben verloren wir unseren ersten Platz durch ein abgebrochenes Reglerkabel und im Juli in SPA machten uns ein Pleuellagerschaden, ein gerissenes Motorgehäuse und eine defekte Kupplung das Leben schwer. Den Meistertitel haben wir, zum dritten Mal in Folge knapp verpasst. 

In Misano sollte uns eine angebliche Reglementänderung in der laufenden Saison leider wortwörtlich erstmal einen Strich durch die Rechnung machen. Bei Wertung aller vier Rennen, hätten wir die Meisterschaft mit zwei Punkten Vorsprung gewonnen. In Misano entschied man aber, dass es ein Streichergebnis geben soll und so rutschten wir in der Endauswertung dann doch auf den zweiten Platz. Somit ging der Europameistertitel erstmal an die Ducati Königswellenfahrer – Team ACR2 – die die Meisterschaft bei einem Streichergebnis mit zwei Punkten Vorsprung für sich entscheiden konnten. Wir gratulierten dem Team ACR2 herzlich zum gewonnenen Europa-Meisterschaftstitel 2019!

Selbstverständlich wird 2020 wieder angegriffen – das Ziel „Meistertitel“ fest im Blick!

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Im nachhinein wurde die Entscheidung vom FIM bzw. das Endergebnis wieder revidiert, da es laut offiziellen Reglement kein Streichergebnis gibt. Somit wurden wir im nachhinen doch noch zum Europameister 2019 ernannt!

Aber nun mal von Anfang an. Wie eingangs schon beschrieben,  mussten wir bereits früh erkennen, dass es auch in Italien ein harter Kampf werden würde und der erste Dämpfer ließ auch nicht lange auf sich warten.

Bereits in der dritten Runde des ersten freien Trainings ist Frank, der als dritter Fahrer starten sollte, unglücklich gestürzt und brach sich den linken Arm. Auch die Schulter, die Hüfte und ein kleiner Finger bekamen was ab. Somit war sehr früh klar, dass wir nicht planmäßig fahren können würden, Frank würde definitiv für dieses Wochenende als Fahrer komplett ausfallen.  Also alles auf Anfang.  

Franks Sturz ging natürlich an dem Hauptrenner nicht spurlos vorbei. Dieser wurde bei dem „Ausflug“ so stark beschädigt, dass Sascha und ich die freien Trainings und die ersten Abend-Qualifikationen mit dem Ersatzrenner absolvieren mussten. Allerdings bereitete der Ersatzrenner uns auch Sorgen, da der Motor  ungewöhnlich viel Öl in den Abscheider pumpte. Ein zu geringer Öldruck war unsere Vermutung für den Pleuellagerschaden, den wir an diesem Motor bereits in Spa hatten. Außerdem ging der Ersatzrenner während Saschas Quali-Turns aus unerklärlichen Gründen einfach aus. Zurück in der Box, lief er sofort wieder – scheiß Fehler –  mal da und dann wieder weg! Für die sowieso angespannten Nerven nicht unbedingt zuträglich. 

Da die zweiten Qualifikationen erst für Samstagvormittag angesetzt waren, hatten wir Freitagabend und Samstagmorgen noch ausreichend Zeit den Hauptrenner wieder startklar zu machen. Meine Quali am Samstagmorgen verlief problemlos. Bei der anschließenden Qualifikation von Sascha, ging unsere Pleiten-; Pech-;  und Pannen-Serie jedoch weiter. Vermutlich durch einen Kurzschluss in der Elektrik, den wir bei der ganzen Bastelei fabriziert haben, entzündete sich der Benzinnebel am offenen Trichter eines Vergasers und der Hauptrenner ging während der Fahrt in Flammen auf. Die Flammen schlugen Sascha zwischen den Beinen hoch. Der Schreck war riesig und so landete der Hauptrenner zum zweiten Mal im Kiesbett. Sascha versuchte die Flammen mit den Handschuhen auszuschlagen und die Streckenposten kamen zum Löschen zur Hilfe. Der eine Streckenposten zerrte Sascha vom Moped weg und der zweite fing sofort an zu löschen. Zum Glück kam hier Löschschaum zum Einsatz und kein Pulver. Blöderweise ist die Maschine während des Löschens dann auch noch einmal auf die andere Seite gefallen, was die Liste der defekten Teile nicht eben kürzer werden ließ.  Es schien so, als hätte Sascha keine größeren Blessuren davongetragen, was sich am nächsten Tag noch als Trugschluss herausstellen sollte. 

Bis unser Motorrad nach dem Brand endlich den Weg zu uns zurück in die Box gefunden hatte, war es dann bereits Mittag. Bis zum Warmup um 15:10 Uhr blieben uns noch ca. drei Stunden, um das Moped wieder aufzubauen und nochmal durch die technische Abnahme zu bringen. Das Feuer hatte ganz schön gewütet. Ein erster Blick verriet aber, dass der Wiederaufbau zu schaffen sein würde. Also haben wir die Ärmel hochgekrempelt und das Team hat mit vereinten Kräften das Moped – zum zweiten Mal an diesem Wochenende – wieder hergerichtet. Um kurz vor drei war alles wieder soweit an Ort und Stelle. Sascha konnte mit Hilfe der hilfsbereiten Italiener schnell noch die technische Abnahme erledigen, während ich mich ruck zuck in den Lederkombi zwängte. Ich fuhr dann auf die Strecke um zu testen, ob alles funktioniert und um den neuen Reifen für das Rennen anzufahren. Nach dem Warmup wurden noch einige Kleinigkeiten gemacht, z.B. Bremsbeläge gewechselt. 

Sascha wurde als Startfahrer bestimmt. Der Start um 18:30 Uhr verlief bei trockenem Wetter und angenehmen Temperaturen soweit problemlos und Sascha lag auf dem zweiten Platz in unserer Klasse. Aber wie heißt es immer so schön, abgerechnet wird am Ende. 

Auch an diesem Abend sollte sich unsere Pannenserie besonders beständig zeigen und unsere Geduld und unseren Optimismus auf eine harte Probe stellen. So musste Sascha schon einige Runden nach dem Start wieder in die Box kommen, da sich eine der beiden Lampen los vibriert hatte. Da das Rennen im Dämmerlicht gestartet wurde, musste das Licht schon auf den ersten Metern gezündet werden, einen Ausfall zu riskieren kam nicht in Frage. 

Den Boxenstopp nutzten wir dann direkt zum Fahrerwechsel und ich bin für die nächsten 50 Minuten raus, um die 80 Minuten bis zum planmäßigen Tankstopp voll auszunutzen. Im zweiten Turn von Sascha hatte er plötzlich keinen Vortrieb mehr und er musste zurück in die Box gebracht werden. Der Fehler konnte zum Glück schnell lokalisiert werden: der Hinterradmitnehmer war mal wieder einmal abgerissen! In höchster Eile wechselten wir das komplette Hinterrad und ich konnte zu meinem zweiten Turn rausfahren. Schon nach dem ersten Turn hat die Kiste angefangen irgendwo Öl rauszudrücken, wo genau, konnten wir zu dem Zeitpunkt nicht lokalisieren. Wir mussten es einfach ignorieren und hoffen, dass das Öl nicht den Weg auf den Reifen findet.  Stiefel, Fußrasten und Rahmen waren allerdings gut geschmiert. Wer meint, das wäre es an Problemen gewesen – weit gefehlt! Zum guten Schluss ist bei Saschas dritten und letzten Turn der Halter vom Sitzbankhöcker abgebrochen und er musste wieder vorzeitig in die Box kommen. Den Höcker haben wir notdürftig mit Panzerband am Moped fixiert, so dass er seinen Turn zu Ende fahren konnte. Ich bin die letzten 35 Minuten mehr oder weniger gemütlich und Motor-schonend gefahren, wir wollten jetzt einfach nichts mehr riskieren und nur noch ankommen. Zudem waren wir ja der Meinung, dass uns der dritte Platz zur Meisterschaft reichen würde. Einholen konnten wir das ACR2-Team sowieso nicht mehr, da Sie schon 6 oder mehr Runden Vorsprung aufgebaut hatten. 

Der Motor lief soweit ganz gut, allerdings konnten wir mit zunehmender Dauer des Rennens den Motor weniger hochdrehen, wir hatten das Gefühl, dass der Drehzahlbegrenzer immer früher einsetzt. Meine Vermutung ist, dass es vielleicht ein Folgeschaden an der Zündung ist, der von dem Brand herrührt!? 

Bei der Fehleranalyse zu Hause musste ich dann aber leider feststellen das es nicht an der Zündung gelegen hat, sondern das die Nockenwelle und ein Tassenstößel aufgerieben waren, ein Stück aus dem Ventilsitz und aus dem Motorgehäuse gebrochen ist. Also kein Wunder das die Maschine nicht mehr ausdrehen wollte, aber es grenzt an ein Wunder das der defekte Motor überhaupt noch bis zum Ende des Rennes gehalten hat! In jedem Fall sind wir froh, dass wir den dritten Platz irgendwie doch noch ins Ziel retten konnten, zwischenzeitlich sah es ja nicht so aus.

Unser Leitspruch lautet “never give up”!

Am Sonntag ging es Sascha immer schlechter und er hatte wahnsinnige Rückenschmerzen die immer schlimmer wurden. Der Sturz im Training mit dem brennenden Moped ging doch nicht folgenlos an ihm vorbei. 

Unseren beiden lädierten Fahrern wünschen wir eine gute und schnelle Genesung!

Eine anstrengende, aufregende und spannende Saison 2019 ist wieder vorbei und wir danken allen Team-Mitgliedern: insbesondere meinem Sohn Robin, unseren Helfern, Unterstützern und unseren Sponsoren – Stein Dinse und Silent Hektik, für die großartige Unterstützung! 

Mit motorsportlichen Grüßen

KaRo und das GGC-Team

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