GGCT

German Guzzi Classic Team

Vom Boxen-Luder zum Vizemeister 2018 im German Guzzi Classic Team (GGCT).

Seit 2015 fahre ich (Frank) als Schrauber / Boxen-Luder mit dem GGCT zu verschiedenen Veranstaltungen. Wir steckten schon die verschiedensten Rückschläge weg. Vom komplettem Motorschaden, abgerissenem Endantrieb, abgeschertem Mitnehmerkranz im Hinterrad, Getriebeschäden und zerstörtem Kreuzgelenk war schon alles dabei! Über Arbeit vor oder während des Rennens brauchten wir uns zu nicht beklagen. Den größten Rückschlag im Team bekamen wir, als Sascha uns letztes Jahr mitteilte, dass er beruflich für ca. 6 Monate zu einem Auslandseinsatz muss.

So stellte sich letztes Jahr in Aragon die Frage, wer  Sascha in der Saison 2018 im German Guzzi Classic Team vertritt. Die drei (KaRo, Sascha, Stefan) fragten mich, ob ich Lust hätte, Sascha zu vertreten oder ob sie sich nach einem Fahrer außerhalb unseres Teams umschauen sollten. Was für eine Frage! Na klar hatte ich Lust.  Aber für mich stellte sich die Frage, wer vertritt mich als  Schrauber / Helfer dann in der Box? Nach reichlicher Überlegung und nachdem die Boxenfrage gemeinsam geklärt worden war, haben sich die drei Jungs für mich als dritten Fahrer für 2018 endschieden.

Die für 2018 neu kreierte Europäische Langstrecken Serie namens  Europaen Endurance Legend Cup fing schon recht früh im März an und war mit Anfang Juni auch recht früh beendet.

Lauf 1 –  24.03.18 auf dem Circuit Paul Richard / Le Castellet (Frankreich)

Los ging es im März bei der Veranstaltung „Sunday Ride Classic“ in Südfrankreich auf dem Circuit Paul Richard in Le Castellet. Nach einer Anreise von 14 Std empfing uns Südfrankreich mit kalten Temperaturen,  die eigentlich nach Deutschland gehören und nicht nach Südfrankreich. Am Mittwoch gab es dort noch Schneefall; Schneeschippen war für den Streckenbetreiber angesagt. Am Donnerstag lagen die Temperaturen aber schon wieder bei molligen 12°C. Wir waren Donnerstagvormittag recht früh an der Strecke und hatten das Glück, dass wir schon mittags die Boxen beziehen durften, denn eigentlich sollte der Einlass erst um 17:00 Uhr beginnen! Erstmal haben wir die ganzen Sachen in der Box verstaut. Danach war technische Abnahme von beiden Mopeds und der Klamotten angesagt. Im Anschluss ging es zurück in die warme Box zum Aufwärmen. Am Freitagmorgen wurde noch schnell die Lautstärkenmessung erledigt, dann ging es auch schon raus zum ersten freien Training. Hierbei musste ich mich erst einmal an das große Moped gewöhnen, denn da ist alles etwas schwerer und behäbiger als bei meiner kleinen Guzzi V75. Nachdem ich mich nach einer kurzen Eingewöhnungsphase an das Motorrad gewöhnt hatte, konnte ich mich als nächstes darauf konzentrieren mit der Streckenführung zurecht zu kommen. Die lange Rechts nach der Mistral-Geraden ist schon eine echte Herausforderung. Also sagte ich mir, das nächste Mal nicht bremsen – nicht bremsen, und – MIST, doch wieder gebremst. Aber ich hatte die Hoffnung, das wird auch noch klappen. Das Quali lief  für uns auch nicht schlecht, und unsere Rundenzeiten lagen alle dicht beieinander.

Am Renntag, nach den obligatorischen Nudel Bolognese (danke an alle Küchenfeen), machte KaRo den Startfahrer, ich den zweiten und Stefan den Zielfahrer. Der Start verlief gut, und KaRo wollte nach 40 min wieder in der Box sein. Ich bereitete mich nach 35 min vor und war sehr aufgeregt. Das erste Mal ein Rennen in der Nacht. Es war eine Premiere, dass wir die gesamten 4 h im Dunkeln fahren, sonst waren es maximal die Hälfte des Rennens im Dunkeln. Als KaRo dann nach 55 min reinkam, war meine Nervosität wie verflogen. Ich setzte mich auf den Adler und ließ ihn fliegen, was der Begrenzer (in dem Falle ich) auf dem Moped so hergab. Also Rhythmus aufbauen, die Runden ruhig und sauber abspulen – wäre da nicht die defekte Uhr im Cockpit gewesen. Matheaufgaben während des Rennens lösen, auch wenn es nur einfaches Multiplizieren ist, zählt nicht zu meinen Stärken. Die Anzeige bei Start / Ziel zeigte mir dummerweise immer nur die Temperatur (8°C) an. Die Anzahl der Runden hatte ich leider nicht mitgezählt. Das Einzige, was ich wusste, war, der Sprit reicht für 90 min. Nach 35 min, die Uhr bei Start / Ziel zeigte endlich mal die Uhrzeit an, bin ich in die Box gefahren zum regulären Wechsel. Es wurde kurz getankt und KaRo fuhr wieder raus. In der Box sah ich nur verfrorene Gesichter. Mein warmer Tee war weggetrunken, alle Frauen mit einer Wärmflasche bewaffnet, und sie fragten mich, ob mir kalt ist. Nö, mir war richtig schön warm, und ich freute mich schon auf meinen zweiten Turn. Der zweite ging schon entspannter los. Ich freundete mich so langsam mit dem „Dickschiff“ an. Also, alles wieder von vorne, rauf auf die Mistral-Gerade, nicht bremsen – bloß nicht bremsen und siehe da, geht doch. Dafür passt es dann in der Haarnadel nicht mehr. 20 Liter Sprit erzeugen schon mächtig viel Fliehkraft und zerrten mich mit dem Moped nach außen ins Abseits. Oha, mir geht die Strecke aus, aber da fiel mir ein, hier gibt es keine Kiesbetten sondern asphaltierte Auslaufzonen. Also, schnell die Bremse aufmachen und Kurvenradius vergrößern. Bloß nicht ablegen, puhhh… das ist ja nochmal gut gegangen. Es macht einen Heidenspaß, die Guzzi aus den Ecken zu beschleunigen  und den übermächtigen Vierzylindern ein paar Meter abzunehmen, bis die Drehzahl bei denen passt und sie gnadenlos am V2 vorbeiziehen. Aber in der nächsten Kurve sehen wir uns wieder. Wo ich mich aber nicht daran gewöhnen kann, ist, dass die japanischen Vierzylinder beim Gas wegnehmen immer eine blaue Ölfahne hinter sich herziehen. So, mein Job war erledigt. Stefan fuhr in seinem letzten Turn die Guzzi sicher nach Hause ins Ziel. Das Ergebnis: Platz 4 in der Classic Klasse und 14ter Gesamt. Nicht schlecht für den Anfang. Die Rückfahrt verlief nicht ganz problemlos, in Lyon hatten wir an einem Vorderrad des Transporters einen Platten. Der Rest der Rückreise verlief ohne weitere Schwierigkeiten.

 

 

Lauf 2 – 13.05.18 in Donington Park (England)

Wir trafen uns donnerstags in Burscheid, um am Freitag mit den drei Transportern gemeinsam die Anreise zur Insel anzutreten. Es klappte soweit alles ganz gut bis zur Fähre in Dünkirchen. Die ersten beiden Transporter mit  Stefan, Birgit, Susanne und KaRo kamen noch mit auf die Fähre, die gerade im Hafen lag. Robin und ich kamen nicht mehr mit.  Somit mussten wir zwei Stunden auf die nächste Überfahrt warten. Nachdem wir uns in der Bordkantine Fish and Chips genehmigt hatten, trafen wir uns alle in England wieder und reisten, geschlossen als Team, weiter nach Donington Park. Die uns zugewiesene Box, mit der führenden Guzzi von MotoBell, war klein aber ausreichend. Rob, einer der Organisatoren, organisierte, dass wir noch einen Platz vor der Box für den Transporter bekamen. Vielen Dank an Rob für seine Hilfe! Die beiden anderen Transporter mit Schlafmöglichkeit standen etwas weiter weg, aber jeder Gang macht schlank. Die technische Abnahme der Motorräder und Klamotten hatte ich so noch nicht erlebt. Die Fahrer selbst mussten mit Lederkombi, Handschuhen, Helm und Schuhen angezogen erscheinen. Name und Geburtsdatum wurden für den Fall der Fälle notiert und im Lederkombi befestigt. Einfach super!

Wir hatten noch zusätzliche Trainingszeit gebucht und waren so früh am Samstag dran. Ich fuhr als letzter raus und versuchte, die Strecke kennenzulernen. Ich schaffte ganze 3.5 freie Runden. Ansonsten gab es  immer Unterbrechungen. In einer Runde wurde ich an der Starkeys-Bridge von einem englischem Suzuki Team in die Pampa geschickt, mit 140 km/h über die zum Glück trockene Wiese. Das ist zwar kürzer, aber nicht schneller. Danach erst einmal beruhigen und wieder Fahrt aufnehmen. Ein Sturz, verursacht durch einen Highsider eines Mitstreiters direkt am Eingang Start / Ziel, verhinderte, dass ich in die Boxengasse einfahren konnte. Das Team dachte, ich wäre beteiligt.  KaRo fehlte bei einem Turn auch plötzlich, hatte einen vermeintlichen technischen Defekt. Dieser ließ sich aber schnell mit Nachtanken beheben. Im 2. Quali hatte ich eine gute Zeit mit 1.24 min. Vor mir sah ich eine blaue Ölfahne auf der Strecke. Ich wusste, dass auch eine Yamaha RD mitfährt; die riechen aber anders. In der Old Hairpin lag dann der Verursacher des Ölnebels. Es war jedenfalls nicht der Zweitakter, sondern ein Vierzylinder, der auf seinem eigenen Öl ausgerutscht war. Wieder Streckensperrung.

Renntag: Auf die obligatorischen Nudeln Bolognese haben wir auf meinen Wunsch hin verzichtet. Um 11:00 Uhr Rennstart und vorher Nudeln essen, das war bei mir nicht kompatibel. Eier mit Speck ist schon die bessere Variante. Das französische MotoBel-Team wünschte uns einen guten Appetit. Das waren die ersten Worte an diesem Wochenende. Es sollten aber nicht die letzten gewesen sein. Diesmal durfte ich als Zielfahrer antreten. KaRo und danach Stefan machten diesmal den Anfang. Der Start lief super; KaRo arbeitete sich nach vorn. Stefan kämpfte sich bis auf Platz zwei vor. Das Ducati- Team mit der Nr. 28 hatte ziemlich früh einen technischen Defekt, der sie um 14 min zurückwarf. Auf Platz 2, in unserer Klasse liegend, habe ich unsere Guzzi mit vollem Tank übernommen. Es lief einfach super. Die Runden liefen einfach ohne Probleme so runter, immer schön aus allen Scharmützeln raushalten. Ich fuhr, schön hinter die Verkleidung geduckt, die Gerade runter, jetzt zwei Gänge runterschalten und in die Redgate, dann ans Gas – kein Vortrieb mehr. Mein erster Gedanke –  ich war bestimmt zwischen die Gänge gerutscht. Also, einfach durchrollen lassen und nicht einkuppeln. Nach der Kurve habe ich nochmal einen Gang hochgeschaltet, in der Old Hairpin aber wieder kein Kraftschluss. Also fuhr ich  nach links raus ins Kiesbett. Zwischenzeitlich war auf der Strecke etwas anderes passiert, was eine Safty Car Phase auslöste. Auch hier muss ich im Nachhinein sagen, dass die Box sehr schnell über meinen Ausfall informiert wurde – Fahrer ok. Gemeinsam mit zwei Streckenposten habe ich die Guzzi bergauf aus dem Kiesbett rausgeschoben. Oben angekommen traf ich Tommy (einer aus dem deutschen Orga-Team), der mir ein Glas Wasser organisierte und mir sein Telefon auslieh, um mit der Box zu telefonieren. Ich habe mit KaRo gesprochen, dass ich vermutlich mit einem Kupplungsdefekt ausgerollt bin. In der Box wurden nun die Vorbereitungen getroffen, um den Motor auszubauen. Nach einer abenteuerlichen Fahrt im Schandwagen war ich, nach einer gefühlten Ewigkeit, wieder in der Box zurück. Die Jungs und Mädels schnappten sich die Guzzi, dort war alles bereit für die OP am „Herzen“. Der Motor war schnell raus, und dann sahen wir das Desaster. Alle 6 Schrauben zwischen Kurbelwelle und Kupplung waren sauber abgeschert. Aufgeben ist nicht unsere Stärke, aber wir wissen wann es Zeit ist aufzuhören. Das tut richtig weh auf Platz zwei auszufallen. Sollte halt nicht sein. Da ich nach 1 h 47 min ausgerollt bin und das Ducati-Team Nr. 28 die 14 min in der Box repariert hatte, bekamen wir doch noch die Punkte für die 2 h Wertung. Der Teamchef von MotoBell kam zu uns und lud unser Team für den Abend auf ein Glas Wein und andere französische Köstlichkeiten ein. Es wurde ein langer amüsanter Abend. Auch wenn wir in Donington auf der Strecke verloren hatten, neben der Strecke haben wir dazu gewonnen. Die Heimfahrt verlief problemlos.

 

Lauf 3 – 08.06.18 Motorsport Arena Oschserleben

 

Ich fuhr mit gemischten Gefühlen nach Oschersleben, da ich hier letztes Jahr zwei unangenehme Erfahrungen mit meiner kleinen Guzzi gemacht habe! Einmal Ende Start / Ziel und einmal habe ich nach der Hasseröder auf der Backe gelegen. Ich wollte es diesmal nicht wiederholen. Für Mittwoch hatten wir ein Zusatztraining gebucht, welches Stefan und KaRo fuhren. Dafür fuhr ich am Donnerstag das erste freie Training. Auch das gehört zum Teamspirit dazu. Um 9:00 Uhr sind die zwei Burschen sowieso nicht richtig wach und fit. Oschersleben mit der großen Guzzi war einfacher als ich gedacht hätte, eine Rundenzeit von 1.48 min im ersten Turn reichte mir völlig aus. Die Temperaturen wurden immer wärmer, so dass wir uns entschlossen, auf Ankommen zu fahren und endschieden uns, die Drehzahl nicht voll auszureizen. Der Reifendruck wurde angeglichen, so dass die Reifen vier Stunden überleben.

Zum Renntag gab es wieder Nudeln Bolognese. Der Start war um 16:00 Uhr. KaRo wurde als Startfahrer auserkoren, Stefan als zweiter. Ich versuchte mein Glück wieder als Zielfahrer. Der Start verlief unspektakulär, so konzentrierten wir uns auf’s Fahren. In Oschersleben hatten wir auch viele Helfer, die extra angereist waren, um uns zu unterstützen. Meinolf an der Tankanlage, Erich zum aufbocken, Svenja für die Organisationin der Box, Birgit an der Boxenmauer, Susanne als Teamchefin und Petra als Feuerwehrfrau, die auch schon in Le Castellet dabei war. Die Boxen bestanden diesmal aus ca. 30 Pavillons, die aneinandergereiht waren. Nach dem Wechsel auf Stefan ging auf der Strecke die Hitzeschlacht erst richtig los. Nach 40 min löste ich Stefan ab. Es machte richtig Spaß mit dem V2 die Strecke entlang zu ballern. Das Team MotoBell schied durch den Bruch der Zündgeberscheibe recht früh aus. Auch das Team Bolinger hat sich direkt  in der ersten Runde durch einen Sturz ins Aus befördert. So lagen wir auf Platz eins in unserer Klasse. Nach 1 h 47 min dachte ich: „Du hast ja bis jetzt wenigstens nichts kaputt gemacht“. Beim 2.Tankstop schoss ein Schwall Benzin in die Verkleidung und Meinolf reagierte auf Zuruf prima. Er setzte das Tanken langsamer fort, so dass nichts mehr in die Verkleidung lief. Grund für das Überlaufen des Benzin´s war, das der Überlaufbehälter  voll war und die Tankentlüftung das Benzin aus der Flasche rausdrückte. Da haben wir nochmal Glück gehabt. Denn, wenn der Sprit über den heißen Krümmer läuft, kann das auch schon mal schief gehen! Stefan spulte dann weiter seine Runden sauber ab und übergab mir die Guzzi auf Platz eins liegend. Jetzt hieß es, nur noch 40 min durchhalten, nichts kaputtmachen und den Fehlerteufel draußen lassen. Ich war so damit beschäftigt, nichts falsch zu machen, dass ich die Zielflagge völlig übersah und mich in der Auslaufrunde über die vielen Flaggen wunderte. Das ist für uns ein Super Ergebnis! Platz 1 in der Classic Klasse und 8ter Gesamt. Somit sind wir Vizemeister in der Classic Klasse der European Endurance Classic Legends Serie geworden. Danke an alle, die mich und das Team unterstützt haben und mir diese Erfahrung ermöglichten. Vielen Dank an  Anja, meine Frau. Vielen Dank an unsere Sponsoren Fa. Stein Dinse und Silent Hektik. Danke, dass ich als Boxen Luder so etwas  erleben durfte. Danke an das ganze German Guzzi Classic Team. Vielleicht hätten wir auch in Donington nicht auf die Nudeln Bolognese verzichten sollen? Wer weiß ….  wer weiß???

 

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